Heute will ich fliegen

 

6:30 Uhr morgens, der Wecker klingelt. Gerade eben befinde ich mich noch im Land der Träume, warm eingemummelt und tiefen entspannt. Bis das nervtötende Klingeln mich unsanft in die Realität zurückholt. Ich muss aufstehen, frühstücken und auf zum Praktikum. An das was man die letzten paar Stunden im Schlaf erlebt hat, bleiben oft nur Erinnerungsfetzen. Wage Bilder. Das Gefühl, eigentlich genau zu wissen was man geträumt hat und sich doch nicht erinnern zu können, weil genau ein Puzzleteil fehlt.

Es heißt im Traum verarbeitet man die täglichen Erlebnisse, Wünsche, Gedanken und Sehnsüchte. Was mein Unterbewusstsein mir mit meinen Träumen sagen möchte, ist mir allerdings ein Rätsel. Das können mir auch meine engeren Freunde und Familienmitglieder bestätigen – die des öfteren eine ganze Reihe an wirren und witzigen Geschichten aus meiner Traumwelt zu hören bekommen, ob sie wollen oder nicht. Und obwohl die Story meist weit von der Realität entfernt ist (man könnte es mit der Strecke von der Erde bis zur Sonne vergleichen), tauchen doch Personen und Ereignisse auf, die mit meinem echten Leben in Verbindung stehen. Ich kann meine Träume zwar nicht selbst beeinflussen, aber ich kann mich oft zumindest erinnern. Manchen Menschen fällt dies leichter, manchen schwerer. Das hängt auch damit zusammen, in welcher Schlafphase man sich befindet, wenn man aufwacht.

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Ein ganz anderes Licht auf das Träumen wirft die „Silber“ Trilogie von Kerstin Gier, deren 3.Teil gerade erschienen ist und mich veranlasst hat, noch einmal alle Bände in einem Zug zu lesen. Die Geschichte handelt von der 15-jährigen Liv Silber, die mit ihrer Mutter, Schwester, Hund und Kindermädchen nach London zieht. Sie findet dort nicht nur eine neue Heimat, sondern bekommt gleich eine neue Familie obendrauf- inklusive attraktiver Stiefgeschwister. Durch ihren neuen Stiefbruder gelangt Liv in seinen Freundeskreis, der sich neben alltäglichen Hobbys unter anderem auch mit Dämonbeschwörungen beschäftigt. Diese finden thematisch passend auf einem Friedhof statt – allerdings in ihren Träumen. Liv dringt im Verlauf der Geschichte immer tiefer in die Traumwelt und ihre Geheimnisse vor, und muss gegen einen bösen Unbekannten kämpfen, der womöglich sogar aus den eigenen Reihen stammt.

Obwohl die „Silber“-Reihe eher für jüngere Leser ausgelegt ist, gefallen mir die Bücher sehr gut. Der humorvolle Schreibstil regt zum Weiterlesen an und auch die Romantiker kommen auf ihre Kosten(wobei es natürlich deutlich züchtiger zugeht als bei „Shades of Grey“).

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Das Besondere an der Geschichte finde ich allerdings die Thematik des Träumens. Im Buch hat jeder Mensch eine Tür, die zu seinem Traum führt. Sobald die träumende Person ihre eigene Tür erkennt und sich somit bewusst wird dass sie sich im Traum befindet, kann sie ihren Traum steuern- oder auch verlassen. Alle Traumtüren sind auf einem gemeinsamen Korridor. So kann man kann sich, wenn man bestimmte Regeln einhält, auch im Traum eines Anderen treffen. Was das für neue Möglichkeiten sich da eröffnen!

Wer schon einmal für längere Zeit im Ausland war, eine Fernbeziehung führt oder einfach nur etwas weiter weg von Familie und Freunden wohnt, weiß wie es ist zu vermissen. Heutzutage ist es natürlich ziemlich einfach den Kontakt zu halten. Facebook, WhatsApp und Skype machen es möglich. Dennoch sind gewisse Grenzen gesetzt und eine richtige Umarmung können diese Medien bis heute nicht ersetzen. Wie schön wäre es denn, einfach seine geliebten Menschen im Traum zu besuchen und mit ihnen Zeit zu verbringen? Eine Menge Herzschmerz bliebe uns erspart. Und wenn man schon dabei ist, könnte man die Stunden, während man schläft, ja auch sinnvoll verbringen. Wie beispielsweise für die nächste Klausur zu lernen. Sich Gitarre spielen beibringen. Oder ein neues Buch lesen. Dinge für die man tagsüber keine Zeit mehr hatte. Man könnte die 24 h, die der Tag uns bietet, effizient nutzen.

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Dieses Phänomen des „Klarträumens“ gibt es tatsächlich. Im sogenannten luziden Traum ist der Person bewusst, dass sie träumt. Sobald sie das erkannt hat, kann sie ihren Traum bewusst steuern, so wie es Liv in den „Silber“-Büchern tut. Der Träumer sind dann keine Grenzen mehr gesetzt. Er kann dann die Dinge tun, die im normalen Leben nicht möglich wären. Fliegen, ein Superheld sein oder ein berühmter Filmstar. Olympia gewinnen, um Privatjet um die Welt düsen. Im wahrsten Sinne des Wortes seine Träume leben.

Wer weiß, vielleicht spricht die Autorin Kerstin Gier ja aus persönlichen Erfahrungen und es gibt den Traumkorridor mit den verschiedenen Türen wirklich? Ich habe mich nun entschlossen das Klarträumen auch einmal zu versuchen. Leider gibt es dafür keine verlässliche Anleitung, schließlich spielt sich das Geschehen ja nur im Kopf ab. Im Internet wird geraten, ein Traumtagebuch führen und sich intensiver mit meinen Träumen beschäftigen. Mal schauen ob das auch bei mir klappt.Wer weiß, vielleicht kann ich schon bald fliegen.

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