Winterzauber

Es hat geschneit, endlich. Als ich Freitag morgen aus dem Fenster blickte, waren die Dächer, Gärten und die Straßen mit einer dünnen Schneehaube bedeckt. Ich ließ einen freudigen Schrei los und auch meine Hunde sprangen übermütig umher und freuten sich mit mir. Schnee ist etwas Besonderes für mich. Das liegt vielleicht daran, dass wir hier in der Rheinebene nur wenige Mal im Jahr das Glück haben, dass der Schnee wirklich liegen bleibt. Ja, für mich bedeutet das Glück. Gerade dieser Winter war viel zu warm und fühlte sich eher an wie ein sehr langer Herbst. Viele Autofahrer werden wieder über die weiße Pracht schimpfen. Es wird sie mehr Zeit kosten wird zur Arbeit zu kommen. Sie müssen dann schließlich ihr Auto frei kratzen und vom Schnee befreien. Womöglich sogar noch den Gehweg frei schippen.
Für mich dagegen hat es etwas Magisches, bei nasskaltem Wetter am Abend ins Bett zu gehen und am nächsten Morgen, mit Blick auf eine weiß gepuderte Landschaft, wieder aufzuwachen. Das war schon als Kind so. Sobald ich morgens einen Blick aus dem Fenster geworfen hatte und nur ein bisschen weiß erblickte, zögerte ich keine Sekunde und warf mich in meine Schneeausrüstung. Von Müdigkeit keine Spur mehr. Schließlich mussten die wenigen Minuten genutzt werden, die mir blieben bis ich los zur Schule musste. Ein Schneemann baut sich ja nicht von alleine.
Heute, mit 20, bin ich nicht mehr ganz so Schnee-verrückt. Aber ich habe trotzdem ein Lächeln auf den Lippen, wenn ich dieses weiße Zeug draußen sehe. Erst Schnee macht den Winter für mich zu einem richtigen Winter.
Dieses Wochenende hatte ich beschlossen, nach Ravensburg zu fahren und dort Freunde zu besuchen. Es war schön, wieder mal mehrere Tage zusammen zu verbringen und nicht bloß ein paar Stunden. Da mittlerweile jeder an einem anderen Fleckchen in Deutschland wohnt, kann man von Glück reden, wenn man sich mal zuhause trifft. Dann werden die wichtigsten Ereignisse und Neuigkeiten ausgetauscht, für mehr bleibt kaum Zeit. Schließlich hat man noch andere Pflichtbesuche zu erledigen. Deshalb hat es mich umso mehr gefreut, 3 volle Tage dort verbringen zu können. In weiser Voraussicht, mit Blick auf den Wetterbericht, entschied ich mich den Zug zu nehmen. Das hieß 3 Stunden mit der Bummelbahn durch den tiefsten Schwarzwald. In gleicher Zeit hätte ich mit dem ICE auch in Köln sein können. Stattdessen bin ich nur im Süden Baden-Württembergs herumgetuckert. Aber ich hätte auch diesen fantastischen Ausblick verpasst. Schon als der Zug in den Bahnhof einfuhr, war es ungewöhnlich leise und friedlich. Neuschnee rieselte vom Himmel. Es ging weiter durch eine weiß gezuckerte Landschaft in Richtung Berge. Immer höher stieg der Zug, vorbei an großen, schneebedeckten Tannen und durch dunkle Tunnel. Weißer Puder flog an meinem Fenster vorbei. Häuser standen vereinzelt in der Landschaft und hatten eine dicke Schneemütze auf. Je höher wir kamen, desto höher wurde der Schnee.  Die strahlende Sonne verwandelte die Umgebung in ein Wintermärchen. Ich stöpselte Musik ein und ließ, mit Blick auf die weiße, ruhige Landschaft, meine Gedanken fliegen. So waren 3 Stunden nicht mehr als ein  schneeweißer Traum.

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