Nur ich und mein Backpack

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Wie du reist alleine? So ganz alleine? Wow, bist du mutig!

So oder so ähnlich klangen die meisten Reaktionen meiner Freunde und Bekannten, als ich ihnen erzählte, dass ich ganz alleine für 3 Wochen nach Thailand verreisen würde.
Ja! antwortete ich dann immer selbstbewusst. Dabei war ich mir insgeheim nicht ganz so sicher. Vielleicht war es mutig. Vielleicht war es auch einfach nur naiv. Doch ein Zurück gab es nicht. Der Flug war gebucht, Sonnencreme gekauft und die Vorfreude nicht mehr zu bremsen.

Schon als ich von meiner ersten großen Backpackertour in Canada zurück kam, plante ich gedanklich bereits meine nächste Reise. Doch so schön das Reisen auch ist, man darf sein richtiges Leben nicht vergessen. Manchmal haben andere Dinge Vorrang. Deshalb standen zuallererst Studium, Praktikum und Arbeiten auf meinem Plan.
Dafür ging zuletzt, fast auf den Tag genau 2 Jahre später, wieder ein Flieger für mich in die Ferne. Nur dieses Mal war ich ganz alleine.

Warum? Es hat sich schlichtweg nicht anders ergeben. Mittlerweile sind die meisten meiner engeren Freunde in halb Deutschland verteilt und haben ihr eigenes Leben mit Arbeit, Ausbildung und Studium. Mal fehlte die Zeit, mal das Geld um mitzufliegen. Aber ich wollte meine Traumreise deshalb nicht aufgeben. Ich wollte nicht von Anderen abhängig sein. Wieso sollte ich es nicht auch alleine schaffen? Einmal um den halben Globus fliegen und ein bisschen Thailand erkunden?Selbst ist die Frau!
Natürlich hatte ich vorher gründlich recherchiert. Nicht nur für mich selbst, sondern auch um meine Eltern ein bisschen zu beruhigen. Ich bin mittlerweile zwar schon 21 (damals noch 20), aber meiner Mutter war trotzdem nicht ganz wohl, mich alleine auf die andere Seite der Erde ziehen zu lassen. Dabei gilt Thailand als eines der sichersten Länder für Frauen alleine zu reisen und es ist aufgrund seiner guten Infrastruktur auch DAS perfekte Einsteigerland für Backpackingneulinge. Ich versprach also jeden Tag ein Lebenszeichen von mir zu geben. Nun konnten meine Eltern auch wieder beruhigt schlafen.

Am 14. Februar um 5 Uhr morgens, nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht, machte ich alleine mich auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Ich hatte ein Dauergrinsen auf dem Gesicht und freute mich wie ein Honigkuchenpferd auf meine bevorstehende Reise. Gleichzeitig machte ich mir auch meine Gedanken. Wie wird das Hostel werden? Werde ich schnell Leute kennenlernen? Oder muss ich alleine auf Sightseeingtour?
Dabei waren meine Zweifel total unbegründet. Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt lernte ich ein holländisches Mädchen kennen und verabredete mich direkt für den Abend mit ihr. Auch im Hostel machte ich in den ersten 2 Stunden mindestens 5 neue Bekanntschaften. Ich begann meine erste Solo-Reise mit einem guten Gefühl. Und wirklich alleine war ich während den 3 Wochen dort nie. Von den Nächten im Hostelbett mal abgesehen.

Man glaubt es wirklich kaum, wie viele Menschen heutzutage alleine auf Reisen gehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Vor allem immer mehr junge Menschen trauen sich. Und kein Solotraveler möchte wirklich gerne alleine unterwegs sein. Man geht eher mit dem Ziel los, viele neue Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen kennenzulernen. Und es ist so einfach. Denn kaum hat man die Heimat verlassen, so scheint es zumindest, sind die Menschen so wunderbar offen und freundlich. Unter Reisenden herrscht einfach eine andere Mentalität. Hier, in Deutschland, würde es mir nie einfallen, mich in einem Café zu wildfremden Menschen zu setzen und ein Gespräch anzufangen. In Thailand? Why not. Ich habe nichts zu verlieren. Im besten Falle habe ich ein nettes Stündchen mit netten Leuten verbracht. No Risk, no fun!
Hostels im Allgemeinen sind außerdem der perfekte Ort um viele verschiedene Menschen aus aller Herren Länder zu treffen. Aber auch im Nachtzug, am Strand, beim Abendessen oder auf der Fähre lernt man Leute kennen, wenn man es nur will. Wer offen und freundlich durch diese Welt geht, der bekommt diese Freundlichkeit meist genauso wieder zurück.

Natürlich trifft man in den wenigsten Fällen seine Seelenverwandte oder große Liebe. Aus den flüchtigen Bekanntschaften beim Reisen wird selten eine tiefe Freundschaft. Aber das ist auch nicht schlimm! Schließlich will man auch nur eine schöne Zeit haben und sich ein bisschen austauschen. Sehenswürdigkeiten alleine zu besichtigen macht schließlich nur halb so viel Spaß. Vielleicht muss man ab und an auch öfter mal einen Kompromiss eingehen. Denn stur auf seinem Reiseplan zu beharren, macht eventuell einsam. Als Alleinreisender hat man einerseits alle Freiheit der Welt zu tun und zu lassen auf was man gerade Lust hat, ohne auf die Wünsche und Bedürfnisse Anderer Rücksicht nehmen zu müssen. Andererseits muss man sich auch Anderen anpassen, wenn einem Gesellschaft wichtig ist. Was macht man, wenn man morgen unbedingt den Königspalast besuchen will, die Leute, die man gerade kennengelernt hat, aber lieber zum Floating Market wollen? Es hängt von dir selbst ab, wie alleine du beim Solotraveln wirklich bist.

Alles in allem kann ich das Alleine-Reisen nur empfehlen! Man lernt so viel über sich selbst, über Andere und auch seine Englischkenntnisse kann man nebenbei auch etwas aufbessern. Der Anfang ist meist etwas holprig. Man ist schüchtern, weiß nicht wie man anfangen soll. Aber mit der Zeit wird man mutiger, offener und es macht wirklich Spaß so viele verschiedene Menschen kennenzulernen! Natürlich gibt es auch Momente, in denen man etwas Heimweh verspürt. Momente, die man am liebsten mit der besten Freundin teilen würde. Weil sie dich blind versteht und ihr über die gleichen Dinge lachen könnt. Weil man nicht jeden Tag aufs Neue eine Person komplett neu kennenlernen muss. Aber auch diese Momente vergehen und man ist wieder glücklich, diese Reise gestartet zu haben. Denn man hat es geschafft. Alleine. Es stärkt das Selbstbewusstsein ungemein und man hat wirklich einen Grund stolz auf sich zu sein. Dazu gehört schließlich ’ne ganze Portion Mut. Wenn Andere an deinen Plänen zweifeln – seien es Familie, Freunde oder Bekannte – dass es beispielsweise furchtbar gefährlich sei, alleine loszuziehen oder dass Reisen reine Geldverschwendung sei, lass dich nicht verunsichern. Hör dir die Ratschläge an und informiere dich gut über dein Reiseziel, denn natürlich gibt es sicherere und weniger sicherere Länder auf der Welt. Aber: Reisen ist niemals! rausgeschmissenes Geld. Man erhält vielleicht keinen materiellen Gegenstand, aber dafür kann man diesen wunderschönen Planeten erkunden, auf dem wir hier leben, und Abenteuer erleben, von denen Andere nicht mal im Traum gedacht haben. Diese Erinnerungen bleiben auf ewig und ich könnte mir keine bessere Investition vorstellen. Ob jetzt als Paar, mit der besten Freundin oder alleine – es ist in jedem Falle Wert.
Und alleine war ich als Solotravelerin trotzdem nie.

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