When in Vienna

Der Flieger rollt langsam über die Landebahn. Es liegt ein leichter Dunst über den umliegenden Wiesen, fast wie Nebel. Dabei deuten die Sonnenstrahlen auf einen wunderschönen Tag hin. Es ist früh am Morgen, 8 Uhr in etwa, und ich bin schon seit 3 Stunden auf den Beinen. Ich nehme die Sbahn zur Stadtmitte, nicht den CAT, wie die anderen Touristen. Ich steige an der Station „Rennweg“ aus, setze zum ersten Mal den Fuß auf Wienerischen Boden. Und fühle mich zurückversetzt in das vergangen Jahrhundert. Wunderschöne Altbauden säumen die Straßen, soweit das Auge reicht. Nichtmal die Oberleitungen der Straßenbahnen tun der Schönheit einen Abbruch. Nein, vielmehr verleihen sie der Stadt einen altehrwürdigen Charme. Ich habe mich sofort in Wien verliebt.

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Wien war schon meine zweite Städtereise im September. Ich stieg zwar wieder alleine in den Flieger, doch dieses Mal besuchte ich meine Namensschwester und Kanadafreundin Sarah und ihren Verlobten. 2 Jahre war es her, dass ich die beiden das letzte Mal gesehen hatte und endlich hatte das Wiedersehen geklappt! Gewohnt haben die beiden in einer – natürlich – Altbauwohnung im dritten Bezirk. Wien hat ähnlich wie Paris keine Stadtteile, sondern ist 23 Bezirke aufgeteilt, wobei der erste Bezirk das Stadtzentrum bildet. Wer in Wien jemanden besuchen möchte, muss außerdem immer genau wissen in welcher Wohnung derjenige wohnt. Anders als in Deutschland stehen auf dem Klingelschild nämlich keine Namen, sondern nur „Top“ mit der jeweiligen Nummer der Wohnung. Das ist nur eine der witzigen Eigenheiten, die ich Wien entdeckt habe.

An meinem Ankunftstag besuchten wir direkt das Schloss Schönbrunn. Um dorthin zu gelangen, nahmen wir nicht etwa die U-Bahn oder Tram. Nein! Ich bekam eine Stadtrundfahrt auf einer  babyblauen Vespa, was bei den hochsommerlichen Temperaturen unglaublich viel Spaß machte. Außerdem: wer kann schon behaupten, Wien auf der Vespa erkundet zu haben ?

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Das Schloss Schönbrunn mit seinem weitläufigen Park, indem schon Kaiserin Sissy sich gerne aufgehalten hat, liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums im 13. Bezirk. Dort angekommen, nahmen wir den Weg auf den Hügel des Parks und hatten somit einen tollen Ausblick auf das prunkvolle Schloss. Auf dem Geländer der Parks befindet sich auch noch ein Zoo, der älteste noch bestehende Tierpark der Welt, den wir zu diesem Zeitpunkt allerdings ausließen. Im Anschluss ging es wieder zurück ins Zentrum und ich wurde zu den Sehenswürdigkeiten des 1. Bezirks geführt: die Wiener Oper, der Stephansdom, die Hofburg, das Museumsquartier. Wien hat wirklich viele unglaublich schöne Gebäude und Schlösser, mit weitläufigen und hübsch angelegten Parks, die man in solch einer Millionenstadt nicht vermuten würde. Obwohl sich natürlich die ganzen Schlösser und prunkvollen Bauden irgendwie ähneln, wurde mir beim Sightseeing nie langweilig. Das mag zum einen bestimmt auch an meinen zwei tollen Guides gelegen haben, die mir zu jeder Sehenswürdigkeit eine kleine Anekdote oder historische Details erzählen konnten. Wusstet ihr zum Beispiel, dass das heutige Museumsquartier die ehemaligen Stallungen des Kaisers waren? Oder dass von den 8 Millionen Österreichern fast 2 Millionen alleine in Wien wohnen? Ein Viertel der Landesbevölkerung in nur einer Stadt!

Wien ist insgesamt sehr traditionell, wie man alleine schon an den ganzen historischen Altbauden erkennen kann. Auch die Haltestellen der Busse und Bahnen besitzen noch die alten Schilder und neben ein paar modernen Fahrzeugen gibt es noch viele Trams aus dem frühen letzten Jahrhundert. Ebenso sind die berühmten Wiener Kaffeehäuser ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

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Was in Salzburg der „Mozart“ als Verkaufsmasche ist, ist in Wien das „Sacher“. Es gibt ein Sacher-Hotel, die Sacher-Torte, Sacher-Pralinen, ein Sacher-Teddybär…Doch eins der ganzen„Sacher“-Produkte sollte man definitiv probieren, wenn man in Wien ist: die Sachertorte. Dafür geht man am besten in eines der vielen Wiener Kaffeehäuser, die mich mit ihrem Charme ehrlich gesagt nicht besonders überzeugen konnten. Vielleicht auch deshalb, weil mir die Sachertorte zwar ganz gut geschmeckt hat, ich aber sicherlich nicht nochmal dafür 4€ aufwärts dafür zahlen würde.

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Das Oma-Cafe hingegen, dessen richtiger Name eigentlich Vollpension ist, hat mich viel mehr begeistert. Es war ein Geheimtipp meiner Freundin. In diesem Café bekommt man hausgemachten Kuchen wie bei Oma und kann auf kunterbunt zusammengewürfelten, alten Sesseln und Sofas in uriger, aber gleichzeitig charmanter und hipper Atmosphäre, Kaffee und Kuchen essen. Das Tolle daran ist, dass die Kuchen tatsächlich von Omas gebacken werden, die teilweise auch im Laden mitarbeiten, und so wieder eine Beschäftigung in ihrem Rentner-Dasein bekommen. Eine echt süße Idee! Kulinarisch ließen wir uns es auch weiterhin gut gehen: wir aßen super leckeres Sushi (nicht so traditionell) sowie Stelze (Schweinshaxe) und Schnitzel Wiener Art (wiederum sehr traditionell). Dazu gab es ein Radler mit Almdudler, woran ich mich sehr gut gewöhnen könnte.

 

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Die 3 Tage in Wien vergingen wie im Flug und ich fuhr mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück zum Flughafen. Natürlich war ich etwas traurig, diese unglaublich tolle Stadt verlassen zu müssen – wissend, meine Freunde dort erstmal in naher Zukunft nicht sehen zu werden. Dennoch überwog das schöne Gefühl, eine tolle Zeit gehabt zu haben, was wohl maßgeblich an meinen tollen Guides bzw. Freunden lag. Irgendwie hat mir Wien nämlich doch viel besser gefallen als Barcelona, was die meisten überraschen wird sein: was gibt es besseres als Strand und Sonne? Aber Wien hat mich tatsächlich verzaubert, mit seinen vielen Schlösser, Parks, hübschen Häusern und Geheimtipps wie dem Oma-Cafe. Würde man dort nicht „Deutsch“ sprechen, wäre es meine erste Wahl für ein Auslandssemester. Doch auch so sage ich Wien nicht „Good-Bye“ sondern nur „Auf Wiedersehen“.

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4 Gedanken zu “When in Vienna

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